Ge-Outfitteried?

Outfittery soll 10 Mio EUR „Stütze“ bekommen. Und zwar aus dem Corona Rettungsfond. Das macht mich tierisch wütend. Warum?

Schlimme Nachrichten von einer der Vorzeigestartups aus Deutschland – Outfittery. Und damit auch für Julia Bösch, einer der wenigen Gründerinnen in Deutschland auf diesem Level. Sie hat für das bisher erreichte einen hohen Respekt verdient. Aber sie ist natürlich nicht alleine, denn ohne Investoren wäre die Leistung nicht möglich gewesen.

Um das hier gehts: Nach einer Meldung der Gründerszene sucht Outfittery nach 10 Mio frische Kapital, was auch aus dem Corona Hilfsfond kommen soll. Und das macht ich wütend.

Mir stehen leider nur die Basisinformationen des Onlineartikels zur Verfügung. So sieht die Lage des Startups aus:

Zitat aus dem Onlineartikel der Gründerszene: „Outfittery hat seit der Gründung 2012 nie Gewinn gemacht, 60 Millionen Euro Verluste angehäuft und Venture-Debt-Kredite zu sehr hohen Zinssätzen von zwölf bis 18 Prozent aufgenommen. Allein in deren Tilgung fließe jedes Jahr ein niedriger Millionenbetrag, schreibt das Manager Magazin unter Berufung auf Insider.“ und „Gründerin Julia Bösch sei auf der Suche nach rund zehn Millionen Euro, schreibt das Manager Magazin (€), die Hälfte könne im Extremfall aus dem staatlichen Corona-Rettungsfonds kommen.“

Was macht mich daran wütend?

Jeder Geschäftsführer ist mit seinen Investoren für sein Unternehmen und seine wirtschaftliche Lage verantwortlich. Ist ein Unternehmen dauerhaft nicht tragfähig, setzt die Selbstbereinigung des Marktes ein.

Nun ja, auch wir haben uns um Darlehen bemüht; für ein notwendiges Wachstum und natürlich auch als Backup in der Corona-Kriese. Nach den theoretischen Rahmendaten stünden uns hohe Millionensummen durch die KfW als Darlehen zur Verfügung.

Nach monatelangen Verhandlungen mit unserer Hausbank ist lediglich ein geringer Betrag möglich gewesen. Dabei interessierte sich die Bank nicht für die starken Umsatzzahlen und das Potential durch das Invest aus dem Darlehen. Wichtig war: Unser Unternehmen musste 2019 Gewinn machen (!). Das war ganz wichtig. „Es muss also eine dauerhafte Substanz im Unternehmen sein“, also kein Darlehen in ein Unternehmen, welches sich seit geraumer Zeit sowieso in Finanzproblemen befunden hat. Das ist auch total verständlich. Immerhin geht es um Steuergelder, die mit Bedacht einzusetzen sind. Ok, Gewinn 2019 hatten wir, prima. Jetzt geht es um die Darlehenshöhe. Und die richtete sich nach der Möglichkeit des Abtrags des Darlehens für die Darlehenslaufzeit. Wir erwirtschafteten 2019 nur(!) sechsstelligen Gewinn, da wir in der Regel alles in unsere Firma investieren. Für die maximale Darlehenssumme geht die Bank schlicht davon aus, dass man während der gesamten Darlehenszeit pro Jahr nicht mehr als den Gewinn aus 2019 erwirtschaftet. Also Gewinn 2019 x 8 Jahre = Maximale Darlehenssumme. Und nicht die von uns angefragte und begründete Darlehenssumme, die es uns durch die damit einhergehenden Investitionen ermöglichen würden, ein Vielfaches an Abtrag zu ermöglichen.

Wir haben plausibel dargelegt, dass unsere Firma sich durch das gewünschte höhere Invest aus dem Darlehen in 8 Jahren im zweistelligen Millionenumsatzbereich und ebenso im Millionenbereich Gewinn befinden wird. Wir können das sogar begründen und aus der Vergangenheit beweisen. Das interessiert die Bank aber nicht. Daher fiel unser Darlehen deutlich geringer aus, als geplant. Was gerade in der jetzigen Phase unser Chancen im Markt erheblich reduziert und uns eine tolle Zukunft für viele neue Arbeitsplätze in Deutschland verwehrt. Arbeitsplätze, die vermutlich durch den Zusammenbruch vieler Unternehmen im Ende 2020 und Anfang 2021 benötigt werden, wenn das Insolvenzrecht wieder greift. Wir hätten unsere Mitarbeiterzahl verdreifacht und uns als Anbieter aus Deutschland auch im internationalen Markt gestärkt.

Zu Outfittery: Ein Unternehmen sollte nach 8 Jahren nicht nur rein Umsatz, sondern auch einen Funken an Gewinn gemacht haben. Welche Fortführungsberechtigung gibt es denn dann überhaupt? Hier geht es natürlich um Arbeitsplätze, das verstehe ich. Aber es geht auch um Steuergelder. Es ist in meinen Augen nicht verantwortlich, dass ein Unternehmen, bei aller erbrachten Leistung auf die man Stolz sein darf, aus Steuergeldern Absicherungen oder Darlehen bekommt, wenn man noch NIE Gewinn erwirtschaftet hat. 60 Mio EUR Verlust! Niemals Gewinne! Auf welcher Basis gibt es die Absicherung, das jemals zurückzuzahlen? Da wird hoffentlich jemand die Zahlen aufmerksam prüfen.

Zu mir hat die Bank gesagt: „Ihre Gesellschafter stehen primär in der Verantwortung für Kapital, nicht die Bank.“. So sollte es bitte auch hier sein. Deshalb nennt man es Risikokapital. Einen Luxus, den wir trotz jährlicher satter Umsatzsteigerungen und Gewinne nie erhalten haben, was ich mit vollem Neid so sage. Denn wo würde unsere Firma mit mehr Kapital heute stehen?

Und das macht mich wütend.

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