Chef sein: Resilient werden

Ist auch das 2020 auch erst bewusst geworden? Das fehlende Risikobewusstsein für euer Unternehmen? Ich dachte schon, ich bin paranoid, in dem ich mir viele Szenarien ausgemalt habe, was mit einem Unternehmen so passieren kann.

Letztendlich tragen wir die Verantwortung für Mitarbeiter, deren Familien und natürlich auch für unsere Gesellschafter. Aber wir waren alle so entfernt davon, was 2020 passierte. Corona. Covid 19. Pandemie.

Seit zwei Jahren habe ich meinen Vortrag „Zerstört euer Unternehmen“ für Keynotes und Vorträge im Programm und sah selbst auch nur eine wirkliche Gefahr für Unternehmen: Die Disruption durch neue Startups und neuen gesellschaftliche Trends. Aber das, was 2020 passiert – war im negativen Sinne eindrucksvoll. 2020 ist das Jahr, welche Unternehmern die Sinne wieder schärfen sollte, die Risiken in unserem Unternehmen wieder bewusster wahr zu nehmen und Maßnahmen dafür vorzubereiten. Corona hat uns wie Nackt auf dem Nordpol aussehen lassen. Wir haben uns in den letzten Jahrzehnten so unangreifbar gefühlt, dass wir keine Acht mehr darauf gegeben haben, wie und wo wir produzieren. Just-in-Time. Ohne Bevorratung. Die Globalisierung machte es möglich. Im Endeffekt hatten wir in Deutschland noch nicht mal ausreichend Resserven für die persönliche Schutzausrüstung des medizinischen Personals gehabt, da wir für einen solchen Fall in Deutschland nicht bevorratet haben und die Produktionskapazitäten vorrangig in Asien lagen. Was für eine Lehrstunde für unsere Wirtschaft, unsere Politik und für uns alle ganz persönlich als Mensch.

Ich möchte euch gerne auf den Weg mitnehmen, zu den wichtigsten Risiken eines Unternehmens, um euch „Resilient“ zu machen – das neue Buzzword, welches durch die Krise 2020 auch im allgemeinen Unternehmenskontext an Bedeutung gewonnen hat und sich aus der Psychologie ableitet.

Unternehmen sollten für sehr viele Risikoszenarien vorbereitet sein. Einen Notfallplan entwickeln und die Maßnahmen entsprechend umsetzen. Ich gebe euch meine Perspektive und auch einfache Hinweise, welche Risiken, Intern und Extern euch bedrohen können.

Inselwissen

Eine der nahe liegenden Gefahren ist Inselwissen, also die Abhängigkeit in Schlüsselpositionen von einem einzigen Mitarbeiter. Dies ist auch ein häufiges Problem in Traditionsunternehmen. Dort liegt oft Wissen oder Entscheidungskompetenz in den Händen von jeweils nur einer Person pro Thema. Das Risiko des Inselwissens ist vor allem ein großes Problem in Unternehmen, die „Königreiche“ erlauben. Ich finde aus meinem Job diese Situation sehr häufig in der Geschäftsführung, Entwicklung und in der IT Administration vor.

Leider sind wir Menschen eine endliche Ressource. Das Wissen, die Fähigkeiten, die Macht liegt in der Hand dieser flüchtigen Ressource. Und was kann alles vorhersehbares und unvorhersehbares passieren? Beispiele sind Ruhestand, Kündigung, Elternzeit, aber auch schlimme Krankheiten oder Unfälle. Corona hat gezeigt, das innerhalb von kürzester Zeit wichtige Menschen nicht mehr unter uns sein können. Eine geregelte berufliche Übergabe unmöglich. Ich bin mir sicher, ihr kennt aus den Medien oder Bekanntenkreis solche Beispiele. Ein Beispiel, welches mir gerade einfällt, ist der Vorstand des Bundesverbands der mittelständischen Wirschaft Ohoven.

Aus meiner persönlichen Erfahrung möchte ich euch von meiner ersten Hausbank meiner aktuellen Firma erzählen. Ich habe mit einem engagierten Banksachbearbeiter ein Kfw Darlehen erreicht. Die Existenzgrundlage meiner Neugründung. Auf einmal erreichten mich die Informationen, dass meine Bankgeschäfte nicht mehr durchgeführt wurden. Mein Konto wurde gesperrt. Was war passiert? Mein Bankmitarbeiter hat spontan gekündigt und alle Unterlagen vernichtet. Emails, Papierdokumente und vieles mehr. Und dies passierte in einer Bank. Wer würde sowas für möglich halten? Das Krisenmanagement der Bank war desolat und herabwürdigend. Es hätte fast mein Unternehmen beim Start getötet. Unglaublich, auch heute noch. Und zur Gründung durfte ich dem Mitarbeiter noch aufwendig erklären, wozu man ein Enterprise Content Management System benutzt – um genau eine solche Situation zu vermeiden!

Also, was lernen wir daraus? Welche Möglichkeiten gibt es gegen dieses Risiko?

  • Entwickelt in eurem Unternehmen eine Kultur der Offenheit, des Teilens und der Dokumentation.
  • Arbeitet, wenn es immer irgendwie möglich ist, im Pair (Paar). Das bedeutet, eine Aufgabe zu zweit erledigen. Insbesondere in der Entwicklung. Dies mag etwas unproduktiver sein, aber es verhindert ganz klar Königreiche.
  • Tötet die Königreiche! Stellt gar nicht erst Mitarbeiter ein, die ihr Wissen nicht teilen wollen oder kündigt diese, auch wenn es Geld kostet und unsozial scheint. Diese Mentalität ist eine „Gefahr im Verzug“ und kann das Unternehmen gefährden und damit alle Mitarbeiter. Also eher im Gegenteil: Nicht Wissen-teilende Mitarbeiter sind unsozial.
  • Digitalisiert Prozesse. Prozesse werden oft nicht dokumentiert. Sobald Schlüsselpersonen fehlen (ein Urlaub reicht schon), werden Prozesse „neu erfunden“. Digitale Prozesse sind nachhaltig und die teilnehmenden Personen sind im Krisenfall austauschbar. Es ist automatisch dokumentiert und Prozessengpässe lassen sich optimieren. ECM und BPM Softwarelösungen ermöglichen dies.
  • Stellt sicher, dass bei einem sofortigen Verlust eines Mitarbeiters der Zugang zu seinen System ermöglicht wird. Plant diesen Vorgang. In diesem Zuge betrachtet ihr, wo im Unternehmen Inselwissen oder Königreiche bestehen.

Naturkatastrophen

Das Klima verändert sich. Diskutieren wir nicht die Gründe; wir sollten die Tatsache annehmen. In Deutschland führt dies zu starken Wetterextremen, die bereits jetzt die Produktion in Unternehmen beeinflussen. Es gefährdet sogar ganze Branchen. Diese Extreme sind keine Ausnahmen mehr. Extreme Trockenphasen, Tornados und Stürme bis hin zu Überschwemmungen. Meine Firma ist durchaus damit konfrontiert, dass Firmen ihre Papierakten (die rechtlich relevant sind), in überfluteten Archiven (gerne im Keller) verloren gehen. Die entsprechende Schätzung des Finanzamtes auf Grund der nicht mehr nachweisbaren Originalbelege können dramatische Auswirkungen auf die finanzielle Situation des Unternehmens haben.

Auch Produktionsstätten sind durch Katastrophen bedroht, z.B. schwere stationäre Maschinen in potentiellen Überschwemmungsgebieten. Und es muss nicht nur eine naturbedingte Überschwemmung sein: Wusstest ihr, dass große Teile des Ruhrgebiets durch Absackung der Landmassen durch Bergbau unterhalb des Grundwasserspiegels liegen? Die „Trockenheit“ des Ruhrgebiets wird durch über 200 Pumpen gewährleistet. Ein Großteil des Mittelstands befindet sich dort. Was passiert wohl, wenn die Pumpen ausfallen? Genau dazu vielleicht auch der Querverweis zum Thema Terrorangriffe.

Durch den Einsatz erneuerbarer Energien wird die Verteilung und Verfügbarkeit des Stroms weniger berechenbar. Und das Stromnetz ist insgesamt anfällig, wie es im Januar 2021 einige Auffälligkeiten im europäischen Stromnetz gab. Gleiches gilt für Mobilfunk.

Pandemien und Epedemien haben wir bislang in den Bereich der Unwahrscheinlichkeit verschoben gehabt. Dies gilt auch für lokale und globale Naturkatastrophen. Die Erde ist permanent in Veränderung. Kontinentalplatten verschieben sich. Verbunden mit Erdbeben (z.B. 2020 in Deutschland), Tsunamis und Vulkanausbrüchen. Auf der Welt befinden sich zahlreiche schlummernde Supervulkane, die bei einem Ausbruch epische Ausmaße haben. Ein Ausbruch eines solchen Vulkans ist nicht unwahrscheinlich. Gerne mal im Kopf haben, wenn ihr den Yellow Stone Nationalpark besucht. Ein bekanntes kleines Beispiel ist der Ausbruch des Vulkans Eyjafjallajökull auf Island in 2010, der große Teile des Flugverkehrs Nord- und Mitteleuropas zum Erliegen gebracht hat. Das war das erste Mal, dass ich einen blauen Himmel gesehen habe … ohne Flugzeuge. Dies bedeutete aber auch für die nicht Home Office optimierten und international agierenden Firmen starke Einschränkungen in ihrer Geschäftstätigkeit.

Was kann ich zu diesen Risiken als Hinweise mitgeben? Schaut mal bitte im Abschnitt „Pandemien und Epidemien“. Ergänzend dazu:

  • Eure IT sollte gegen rapiden Stromausfall abgesichert sein. Der Klassiker ist eine USV Strategie.
  • Seit ihr stark von der IT und Kommunikation abhängig, dann fahrt eine Doppelstrategie mit verschiedenen Netzen, z.B. Glasfaser und Mobilfunk über jeweils unterschiedliche Anbieter.
  • Prüft, ob ihr eure stationären Geräte fü.r eine Produktion schnell verlagern könnt.
  • Erreicht, dass ihr eure wichtigsten Dokumente redundant und katastrophenfest sichert, z.B. als digitale Dokumente in einem ECM in der Cloud mit georedundanter Speicherung.

Terrorangriffe

Terror jeglicher Art gehört zu unserer Menschheitsgeschichte. Während einige Risiken in der Natur liegen, ist Terror Menschengemacht. Die Interpretationen in Religionen spiegelt sich oft im fanatischen Hass gegenüber Andersdenkenden wieder, was sicher nicht Zweck einer Religion ist, die eigentlich auf dem Prinzip der Nächstenliebe basiert. Dazu kommt links- und rechtsgerichteter Terror. Dies führt nun mehr aber immer stärker zu starken und unabsehbaren Terrorangriffen.

Die Mitarbeiter des Word Trade Centers in New York und anderen Gebäude am 11. September stehen symbolisch für die Opfer und auch den wirtschaftlichen Einfluss dieser Anschläge. Der Angriff hat nicht nur Menschen getötet, sondern Firmen und Daten zerstört. Seit diesem Tag wissen wir wohl alle, dass kein Szenario mehr unmöglich erscheint.

Ein Anschlag auf ein Kernkraftwerk in Deutschland in diesem Ausmaße könnte verheerende Folgen für unsere Wirtschaft haben.

Viele Staatssysteme sind zusammengebrochen, viele Regierungen und Militärs korrupt. Entsprechend können sich gefährliche Waffenbestände, angereichertes Uran, biologische und chemische Waffen und weitere schwere klassische Waffen in Hände von Terroristen befinden. Selbst in Deutschland ist dies möglich, z.B. sind alleine in der Deutschen KSK Waffen und zehntausende Schuss Munition sowie wohl auch Kilos Sprengstoff verschwunden. Ideales Futter für rechtsgerichteten Terror.

Wie können wir dieses Risiko eingrenzen? Auch hier verweise ich mal auf die Pandemien / Epidemien.

Pandemien und Epedemien

Pandemien und Epidemien sind keine moderne Erscheinung. Es gab sie schon immer. Die Beispiele sind zahlreich. Pest oder die Spanische Grippe. Klassische Großkrankheiten, wie Masern, sind erfolgreich bekämpft. Die Gefahr schien so weit entfernt, dass Menschen sich nicht mehr dagegen impfen lassen. Eine fatale Ignoranz. Der Ebola Virus der letzten Jahre erschien uns örtlich weit entfernt und beherrschbar, da auch hier die Medizin schnell eine Antwort gegeben hat. Und der uns seit 2020 heimsuchende SARS CoV 2 Virus ist nicht wirklich neu, denn er ereilte uns bereits 2003 als SARS CoV 1 Pandemie.

Jahrtausende lang konnten sich Erreger dieser tödlichen Bedrohung nicht ausreichend schnell verbreiten. Erst die Erforschung des Planeten bis hin zur Globalisierung machte uns so anfällig. So schnell kann kein System der Welt reagieren, wenn sich ein Virus dieser Schlagkraft durch den Weltweiten Flugverkehr innerhalb weniger Stunden global verbreiten kann. Dieses Ereignis sollte uns Demut vor der Natur lehren. Und es hat uns menschlich an unsere Grenzen gebracht. Vor allem sozial.

Glücklicherweise lernen wir Menschen aus diesen Ereignissen. Aber mit der Zeit verblassen die Erinnerungen, wie werden nachlässig und irgendwann holt uns garantiert die nächste Epidemie ein. Vor allem, weil die Viren nicht ausgerottet sind. Sie mutieren und werden noch schlimmer reagieren, als jemals zuvor.

Corona (SARS CoV 2) war kein lokales Ereignis. Wirtschaftlich war dies für uns eine globale Katastrophe. Es zeigt uns die Abhängigkeit, in der wir uns wirtschaftlich befinden. Vor allem in der Produktion von Gütern. Die Optimierung auf eine geringe Bevorratung von Bauteilen, Materialen und Gütern mit absolutem Verlass auf die jederzeitige Verfügbarkeit und Lieferkette hat uns in der Krise vor große Herausforderungen gestellt. Ob wir dauerhafte Lehren draus ziehen, wird sich zeigen. Ebenso hat sich aber auch gezeigt, dass wir Menschen in der Lage sind, zu reagieren und zu handeln. Wir sind nicht wehrlos. Zum jetzigen Zeitpunkt meines Artikels ist nicht absehbar, wie es weitergeht.

Aber welche Maßnahmen könnten wir ergreifen, um uns gegen diese globalen Großereignisse abzusichern? Einige Punkte fallen mir dazu ein, die allerdings die Kosten eines Unternehmens stark nach oben treiben können:

  • Bereitet euer Unternehmen darauf vor, von jedem Ort zu jeder Zeit arbeiten zu können (Home Office, etc). Georedundante Cloud Technologien für Softwarelösungen ermöglichen dies. Selbst ein Briefkasten ist heute nicht mehr nötig, in dem Scandienstleister den Posteingang übernehmen und digital den Home Office Mitarbeitern zur Verfügung stellen.
  • Achtet bei Auswahl von Softwaresystemen darauf, Daten exportieren und in alternative Lösungen importieren zu können.
  • Dokumentiert euer wichtigstes Wissen und haltet dies immer auf dem aktuellsten Stand. Mindestens jährliche Reviews aller Dokumentationen.
  • Führt digitale Prozesse ein, um Orts- und Zeitunabhängig Entscheidungen und Abläufe zu gewährleisten.
  • Überlegt, in wie weit die Produktion eures Unternehmens georedundant auslegbar ist. Besteht die Chance auf Weltweite verteilte Produktionsstätten unter Beibehaltung der Qualität?
  • Wenn ihr eure Produktion nicht georedundant auslegen könnt, überlegt, in wie weit ihr die Anlieferung von Teilen redundant auslegen und bevorraten könnt.
  • Stellt redundante Kommunikationsmitteln für alle Mitarbeiter oder im mindesten aller wichtigen Schlüsselteams zur Verfügung.

Cyberattacken

Microsoft, Amazon oder Google investieren jedes Jahr Milliarden und ebenso Milliarden an Bedrohungssignalen mit tausenden Sicherheitsfachkräften zu begegnen und die Daten derer Plattformen zu schützen. Sicherheit ist das Fundament jeder Cloud. Die Webseite meiner Firma wird pro Minute hunderte Male angegriffen. Hinzu kommen immer geschicktere Pischingangriffe, Trojaner und Viren. Hier offenbart sich in Unternehmen mit das größte Risiko. Nicht nur Datendiebstahl, sondern euch moderner Terrorismus sondern vor allem Erpressung, z.B. durch Verschlüsselung von Daten aller Unternehmensdaten. Menschenleben im Medizinsektor oder Energiebereich sind nicht relevant. Hier geht es um das große Geld und die Währung ist Bitcoin. Das moderne Gold und die größte Geldwäsche seit Beginn der Geschichte der Zahlungsmittel überhaupt.

Folgende Tipps habe ich zur Beseitigung dieses Risiko

  • Verlagert eure IT in die Cloud. Die dort aufgewendeten Sicherheitsmaßnahmen werdet ihr mit der eigenen IT nie aufwenden wollen und können.
  • Wenn ihr interne IT bevorzugt: Macht es professionell. Investiert in Sicherheitsspezialisten um Bedrohungspotentiale zu erkennen und zu beseitigen. Quasi: „Greift euch selbst an“.
  • Nutzt immer die aktuellsten Versionen aller Software- und Hardwarelösung auf allen Ebenen. Angefangen von Apps bis hin zu den neusten Firewalltechnologien und natürlich Virenschutz und Lösungen gegen Pishing und Trojaner
  • Sensibilisiert Mitarbeiter permanent bezüglich dieser Sicherheitsbedrohungen!

Wistleblower

Wenn ihr der Meinung seid, Whistleblower sind was für Krimis und Geheimdienste? Weit gefehlt. Beispiel: Es ist schon normal, dass sich erfolgreiche Vertriebsmitarbeiter mit den Exporten seiner wertvollen Adressen und Kontakte bewerben um bei einem neuen Arbeitgeber sofort große Erfolge zu feiern. Informationen aus dem Unternehmen mitzunehmen ist in vielen Unternehmensbereichen schon fast normal.

Daher ist es sehr relevant, einen Kompromiss zwischen Datentransparenz aber auch Datensicherheit im Unternehmen zu erreichen.

Hier einige Hinweise zu diesem Risiko:

  • Pflegt klare Zugriffsübersichten, welche Personenkreise auf welche Daten zugreifen sollen.
  • Plant den Abgang eines Mitarbeiters, was jederzeit stattfinden könnte. Aus jeder Richtung. Habt Checklisten für ein Offboarding, um umgehend den Mitarbeiter aus sämtlichen Systemen zu entfernen oder zu sperren um die Datenhoheit auf vertretende Mitarbeiter zu übertragen.
  • Verhindert bestmöglich den Massenexport (Massenausdruck) von Datensätzen.

Disruption und Copycats

Die Klassiker einer Unternehmesbedrohung sind neue Anbieter, die euer Geschäftsmodell zerstören und jegliche Existenzgrundlage beenden. Aber auch das Verhalten eurer Konsumenten kann sich durch das Angebot neuartiger Lösungen gegen euch verändern. Dies geschieht wahlweise durch Disruption oder Copycats.

Ich starte bei der Disruption. Mein Lieblingsthema. Und ich halte es als einer der wesentlichsten Managementeigenschaften der heutigen Zeit, sich Gedanken darüber zu machen, sein eigenes Business zu zerstören. Und mit diesen Ergebnissen die Weichen für die Zukunft zu stellen.

Kommt bei euch noch der Eismann und bringt Eisblöcke zur Kühlung von Waren? Reitet ihr mit dem Pferd zu Arbeit? Wann habt ihr das letzte Mal ein Video aus der Videothek ausgeliehen oder einen Farbfilm in eine Fotokamera eingelegt? Was ich meine, ist damit wohl klar, oder? Die Zeit verändert Technologien und Konsumverhalten. Es entstehen neue Firmen und Geschäftsfelder. Noch nie fand dies so schnell statt, wie in der aktuellen Zeit. Betrachtet man sich die wertvollsten Unternehmen in Amerika von 1990 zu 2018, dann sieht man eine dramatische Veränderung.

Quelle: Paymantandbanking

Derzeit verschwinden vor allem alte Traditionsunternehmen. Dafür führen Technologieunternehmen. Tesla Motors als sehr junger Automobilbauer ist derzeit mehr wert, als die Traditionsunternehmen Volkswagen, Daimler und BMW zusammen. Sie beeinflussen eine ganze Branche und zeigen das Dilemma der Disruption: Ignoranz gegenüber neuen Anbietern. So wurde schon Nokia zerstört, weil man Apple belächelt hat.

Richtige Disruptoren verändern allerdings ein Geschäftsfeld fundamental. Denken wir mal an Airbnb oder Uber. Das erschreckende ist: Diese Firmen haben gar keine Werte geschaffen, wie beispielsweise Hotelketten wie Hilton vs Airbnb. Airbnb hat quasi keine Immobilien und ist im Vermietungsgeschäft erfolgreicher als Hilton. Uber hat quasi keine eigenen Taxis oder Flixbus nur einen offiziellen Bus (soweit mir bekannt ist). Moderne Disruptoren schaffen also keine Werte, sondern bieten nur eine Plattform. Wie werthaltig dies auf Dauer ist, ist fraglich. Faktisch sind die Wettbewerber aber quasi Tod, weil sie nicht rechtzeitig reformiert haben.

Zu den Copycats braucht man wohl nicht mehr viel sagen: Das Kopieren von Erfolg ist Uralt und trotzdem modern. Viele Firmen entwickeln mit hohem finanziellen und personellen Aufwand neue erfolgreiche Produkte. Dazu kommen finanziell sehr anspruchsvolle Patente. Und was passiert? Minderwertige Kopien kommen fast so schnell auf dem Markt, wie das Original und zerstören das Business des Originals. Wußtet ihr, dass es eine jährliche Auszeichnung für Plagiate gibt? Den Plagiarius Award.

Die Copycats gibts aber nicht nur für physikalische Produkte, sondern auch für Geschäftsmodelle. Ihr habt gesehen, dass Technologieunternehmen die wertvollsten Unternehmen sind. Die Jagd nach dem Einhorn. Ich persönlich strebe ein Zebra an. Das ist aber selten. Nicht wenige Investoren versuchen, schon fast industriell, erfolgreiche digitale Geschäftsmodelle zu kopieren. In Deutschland sind die Samwer Brüder für digitale Copycats bekannt.

Welche Möglichkeiten gibt es, sich gegen disruptierenden Wettbwerb oder Copycats zu wehren?

  • Beobachtet permanent euren Markt, das Konsumentenverhalten eurer Kunden und baut euch durch separate Teams mit ganz neuen Ansätzen einen eigenen Wettbewerb auf. Eure Konkurrenz seht ihr nicht. Sie sitzen in der Bay Area, Berlin, Shenzhen und Tel Aviv. Kluge Firmen gründen im Geheimen eigene Startups, die das eigene Business angreifen sollen.
  • Investiert viel in die Prägung eurer Marke als das Original, verbunden mit den USPs, z.B. Qualität. So ist die Tupperware bis heute immer noch das bekannte Original, obwohl es unglaublich viele ähnliche Produkte sind. Die Markte ist das A und O eures Unternehmens.
  • Sichert euch Patente (soweit Möglich) und greift den kopierenden Wettbewerb so schnell wie möglich rechtlich an. Auch wenn ihr Angst habt, dass es die Bekanntheit des Wettbewerbs stärkt. Ich glaube, es ist eher für eure eigene Bekanntheit als das Original förderlich. Einfache Alternative: Kauft den Wettbewerber einfach auf!

Rechtliche Bedrohungen

Ein Unternehmen befindet sich immer im Kontext von lokalen, nationalen und internationalen Rechtssprechungen. Aus dieser Position heraus können Klagen gegen ein Unternehmen dieses finanziell in seinen Grundfesten bedrohen. Dies reicht bis hin zur Zerschlagung, wie es gerade bei den dominierenden Plattformen von Google, Facebook oder Amazon gefordert wird. Oder es geht um variable Auffassung des Steuerrechts. In jedem Fall geht es hier oft um Milliarden.

Ihr braucht aber nicht so weit oder zu den großen gucken: Unlautere Anwaltskanzleien oder Patenttrolle bedrohen Unternehmen durch Klagen gegen Verstoß der DSGVO, AO/GOBD, Patente, Urheberrechts-, Lizenz oder Markenverletzungen und vielem mehr.

Kleines Beispiel zum Selbstcheck: Druckt ihr eure Rechnungen, die ihr per Mail bekommen habt, für eure Akten aus und sind die Mails jederzeit löschbar? Habt ihr eine Verfahrensdokumentation für eure Rechnungsverarbeitung? Diese ist übrigens auch für Unternehmen notwendig, die Rechnungen nur auf Papier verwalten. So verstößt ihr bereits schon gegen geltendes Recht. So kommt ihr schnell in eine Steuerschätzung und hinzu kommen hohe Strafzahlungen oder sogar Freiheitsstrafe.

Welche Möglichkeiten gibt es hier, sich gegen diese Risiken zu wehren?

  • Klar kostet es Geld: Aber lasst euer Unternehmen von entsprechenden Unternehmen, wie Wirtschaftsprüfern, auf die Einhaltung euer betreffenden Rechtsnormen prüfen.
  • Prüft, dass ihr euer Unternehmen bestmöglich gegen Trolle zu Urheberrechts-, Lizenz oder Markenverletzungen freihaltet, in dem ihr diese Themen im Unternehmen klar und nachvollziehbar prüft und regelt. Spätestens dann, wenn Mitarbeiter ein Unternehmen verlassen (müssen), ist dies ein gerne verwendeter Angriffspunkt.
  • Setzt Softwaresysteme ein, um rechtliche Rahmenbedingungen einzuhalten. Zumindest als Basis, denn oft gehören noch begleitende Dokumentation dazu, die nicht Bestandteil der Software sein können, z.B. eine Verfahrensdokumentation.
  • Sensibilisiert Mitarbeiter regelmäßig im Bezug der Datensicherheit

Fazit

Resilient sein ist Risikomanagement 2.0. Es gibt genügend Anlässe, sich über viele dieser Punkte Gedanken zu machen und es anzupacken. Die heutige Zeit hält auf allen Ebenen mehr Risiken bereit, als jemals zuvor.

Es gibt sicher noch mehr Risiken; schreibt mir gerne Kommentare, Tipps und Ergänzungen zu meinem langen Artikel und ich hoffe, dass auch für euch was an Infos mit dabei gewesen ist.

Foto: Quelle istockfotos.com

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