Siemens und die Kekse

Der König braucht mehr Gold. Daher schickte er seine Lakaien aus, um seine Untertanen zu schröpfen. An dies erinnerte mich der neuste Artikel im Onlineportal Golem. Fast 50% mehr Vorstandsgehalt statt Kekse.

Ich mag eigentlich keine Blogartikel, bei denen die Faktenlage nicht gut geklärt ist. Aber der neuste Artikel über die Verhaltensweise einer Siemens-Sparte beamt mich in eine alte Zeit der überholten Konzern- und Unternehmensstrukturen. Es zeugt von der Beharrlichkeit, moderne Zeichen der Zeit zu New Work und moderne Führung zu ignorieren. Was ich im Artikel lese, entfremdet die Mitarbeiter von ihrem Unternehmen. Und warum ist es immer der Kaffee, der so relevant für eine Ersparnis ist?

Der Golem Artikel berichtet (Auszug): „Siemens soll eine nachdrückliche Aufforderung an die Beschäftigten herausgegeben haben, bei Kaffee und Keksen zu sparen, berichtet die IG Metall laut dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel. Zudem seien an einigen Standorten etwa in Südwestdeutschland die Weihnachtsfeiern gestrichen worden. Siemens-Chef Joe Kaeser bekommt für das abgelaufene Geschäftsjahr 14,25 Millionen Euro. Im Vergleich zum Vorjahr erhält Kaeser damit rund 48,5 Prozent mehr, zuvor seien es 9,6 Millionen Euro gewesen.“ hier der ganze Artikel.

Moderne Unternehmensführung zeigt sich in Zurückhaltung, Nähe zu den Mitarbeitern und vor allem die Bereitschaft, sich damit zu beschäftigen, wie man sein eigenes Unternehmen disruptieren kann, um sich für den Wettbewerb aufzustellen. Eine Lösung für letzteres ist es übrigens nicht, einfach Unternehmen aufzukaufen. Das ist keine Strategie. Und das ist erst recht nicht der Anlass, sich sein Boni-Regelung für eine fast 50% Steigerung anzupassen und als Alternative in die täglichen Benefits der Mitarbeiter einzugreifen.

Ich höre immer wieder, das in Firmen als Einsparpotential Kaffee, und in diesem Fall auch wohl Kekse, dienen sollen.

Muss ich mir das in einem Unternehmen so vorstellen, dass sich die Mitarbeiter von Morgens bis Abends so derartig mit Kaffee vollpumpen und mit sich mit Keksen in die Besinnungslosigkeit futtern, dass dies durch die Millionen Euro Kosten ein so signifikanter Kostenpunkt ist?

Wenn man an diesen täglichen Benefits spart, dann wird auch auf anderen Ebenen gegen die Mitarbeiter gespart. Der Effekt ist klar, dass die Motivation der Mitarbeiter massiv runtergerissen wird.

Für mich, und sicher auch für die Mitarbeiter, dürfte dies das Signal sein, dass es dem Unternehmen nicht gut geht. Dann sollten aber auch bitte alle in einem Boot sitzen und das schließt ein analoges Verhalten beim Management mit ein. Insbesondere dort. Während sich mein Unternehmen in einer Schieflage befunden hat, was durchaus jedem Unternehmer passieren kann, habe ich auf Gehalt und andere Ansprüche verzichtet; mich sogar verschuldet und hoch verbürgt. Meine Mitarbeiter mussten nicht verzichten.

Gerade in der aktuellen Zeit, wo bislang werthaltige deutsche Unternehmen durch Disruptoren aus Ländern mit innovativen Schmelztiegeln regelrecht zerlegt werden, ist die gemeinsame Arbeit zwischen Führung, Management und den Mitarbeiter ein ganz relevantes Gut, um kommende kritische Situationen zu meistern.

Dabei darf man den Siemens-Chef selbst nicht anprangern, denn eine Boni-Regelung entscheidet er nicht für sich selbst. Da steht ein Vorstands- und Management Stab dahinter, die sicher auch von einer analogen Regelung profitieren. Aber das ist reine Mutmaßung und Erfahrung.

Ich gebe gerne noch weitere praktische Tipps, für Einsparpotential:

  • Mitarbeiter drucken nicht mehr aus. Das ist viel zu teuer. Hier sollten die Mitarbeiter die Inhalte auf Papier abmalen (Bitte Ökopapier)
  • Die Spültaste für „Großes Geschäft“ wird ausgebaut, damit das Wasser eingespart wird.
  • Und wenn wir schon dabei sind … Toilettenpapier … wir waschen uns doch eh die Hände, also warum noch Toilettenpapier?
  • Es wird ein Abnutzungsentgelt vom Gehalt abgezogen, da die Mitarbeiter ja den Fußboden, Bürostühle, Tastaturen etc abnutzen und damit den Wert des Unternehmens reduzieren.
  • Der Kaffee wird künftig durch Kaffeeersatz gestreckt, Stichwort „Muckefuck“.
  • Dreckiges Geschirr bitte mit nach Hause nehmen und dort waschen – das spart Wasser und Energie.

Euch fallen auch sicher zahlreiche Optimierungen ein 🙂

Um das nochmal klar zu stellen. Ich bin selbst Unternehmer. Man trägt damit eine hohe Verantwortung, für die es legitim ist, dafür auch entgolten zu werden. Aber wir tragen auch eine Verantwortung gegenüber unseren Mitarbeitern. Dem wertvollsten Gut des Unternehmens – ohne sie würde es das Unternehmen und das Management nicht geben.

Aber wenn das stimmt, was ich hier gelesen habe, dann ist dies einfach Unanständig und entspricht einer alten Unternehmerzeit. Das sind aussterbende Dinosaurier. Diese Zeit ist vorbei.

Bild: Georg Wendt, dpa

Ein Kommentar zu „Siemens und die Kekse

  1. Hohe Gehälter hin oder her, es wird hier offensichtlich an falscher Stelle gespart. Wir in der Beratung für digitales Marketing sind zwar der Meinung, dass es durchaus auch ohne Kekse und Keksrunden geht, dann aber bitte mit Alternativen, wie z.B. Bio-Obst (bei uns von ecocion aus Oldenburg)! Auf Kaffee mit Oatly Barista-Hafermilch oder Mandelmilch im Social Media Büro verzichten? Das schreit ja geradezu nach einem Shitstorm! 😉

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