Wie glücklich bist Du als Chef? Wie viele Momente des Tages erlebst Du in Zufriedenheit? Lachen? Das Leben kompromisslos einfach genießen? Du stehst einfach irgendwo und bist total happy? Auf was freust Du Dich jeden Tag?
Wenn Glücklichsein eine Währung wäre, wie reich bist Du dann?
Ich bin so gesehen ein armer Mensch. Und das sind sicher viele, obwohl sie in der Währung Geld Reich sind.
Als materiell Reich darf ich mich als Gründer auch nicht bezeichnen, obwohl es im ersten Augenblick so aussehen mag: Ich habe eine Firma, die Millionenumsätze pro Jahr erreicht. Ich lebe in einem modernen kleinen Haus (was mir nicht gehört) mit meiner Familie und habe zwei gesunde(!) Kinder. Wir haben einen schönen aufbaubaren Sommerpool, ich fahre ein gutes Firmenfahrzeug (was mir somit auch nicht gehört). Ich habe keine ausreichende Altersvorsorge geschaffen, da mein ganzes Geld immer in der Firma geblieben ist. Ganz im Gegenteil, denn durch die ganzen Bürgschaften an die Banken, trage ich nicht nur das unternehmerische Risiko, sondern auch noch das Finanzielle in der Bürgschaft von Firmendarlehen (da meine Gesellschafter dies ablehnen). Also rein Netto „Reich“ bin ich keinesfalls. Da geht es Menschen, die als Angestellte arbeiten sogar besser.
Mein Kumpel
Meinen besten Freund habe ich bei der Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten in einer Bundeswehrschule in Mölln kennengelernt. Bis heute treffen wir uns 2x im Jahr zum Männerabend mit PC und seit Neustem mit VR zum Trinken und Ballern. Etwas, was mich glücklich macht. Unsere Wege sind ganz unterschiedlich gelaufen.
Er ist heute Beamter und ich beneide sein Glück. Er hat sich früh mit seiner Frau ein Haus gekauft und zwei Kindern ihre Zukunft auf dieser Erde geschenkt. Ich habe ihn fast nie meckern hören. Er hat nie nach etwas Größerem gestrebt. Nie nach Aufmerksamkeit. Er ist einfach happy. Auch wenn ihm was materiell oder finanziell fehlte. Ich habe ihn nie wehklagen gehört. Er ist glücklich und zufrieden. Er grämt sich nicht, seinen Weg im Leben so gegangen zu sein.
Es ist das beste Ziel im Leben, am Ende der Reise zurückblicken zu können, nichts Wesentliches verpasst zu haben. Das man zufrieden mit seinem Leben gewesen ist. Ist da nicht ein schönes Ziel? Zufriedenheit? Ausgeglichenheit? Und das nicht erst am Ende einer langen Reise, sondern ein Zustand, den man bereits in frühen Jahren erreicht hat?
Das finde ich bis heute beeindruckend, denn mir geht es ganz anders.
Warum bin ich unglücklich?
Und ich fühle mich einen Großteil des Tages unglücklich.
„Man, hast Du Probleme – mir oder anderen geht’s doch viel schlimmer.“, mag man als Leser meinen. Richtig. Aber hier geht es jetzt um mich und helfen tut mir diese Tatsache tatsächlich nicht. Die „Vergleichbarkeit“ ist ja genau das, was einen unglücklich macht.
Unglücklich zu sein, ist sehr individuell. Ich nehme mit meiner Situation nur einen Teil der Gesellschaft ein, die unglücklich sind. Aber einen Teil, der sich vermutlich in seinen Ursachen bis in die Spitzen des materiellen Reichtums spiegelt.
Also, worum geht es bei mir? Was macht mich persönlich unglücklich?
Jedes Haus beginnt mit einem Fundament. So die Kindheit bei uns Menschen.
Die Ursachen werden bei vielen, die unglücklich sind, meiner Meinung nach, direkt in der frühesten Kindheit geprägt.
Ich bin als Kind bereits durch meine damals schon dicke Brille vom Kindergarten bis in die 10. Klasse gemobbt und gehänselt worden; körperlich und vor allem seelisch. Hier habe ich wohl intuitiv versucht, Aufmerksamkeit als Klassenkaspar zu erreichen, um Anerkennung zu finden. Also genau das Thema, in dem es in meinem, aber auch anderer Leben, wohl geht.
Zuhause musste ich als Kind schulisch wie auch im Haushalt „performen“, denn wir hatten eine Vermietung. Aufmerksamkeit durch meine Eltern habe ich gefühlt kaum erfahren. Ich wurde drauf gedrillt, Ruhig und Diszipliniert zu sein. Meine schulischen Leistungen waren schlecht und mangels besserem Wissen wurde meine Leistung mit die der anderen Kinder und vor allem meines damals besten Schuldfreunds, einem enorm intelligenten Menschen, verglichen. Diesem konnte ich nie gerecht werden. Ich halte mich nicht für einen dummen Menschen, aber mein Fokus war Kreativität. Da meine Leistungen und mein Verhalten nicht passten, kam mein Vater dann immer von der Seefahrt zurück und ich durfte mir damit oft die verbale und körperliche Schelte abholen. „Du wirst nix“, „Du wirst nur Maurer“ … all sowas (obwohl das durchaus auch ein guter Beruf ist).
Als vermuteter Schutzmechanismus sind meine Jugendjahre bei mir fast wie ausgelöscht. Bis heute lösen diese unschöne Trigger aus. Vor allem achte ich bei meinen Kindern drauf, althergebrachte „psychologische“ Methoden nicht anzuwenden, sondern meine Kinder zu ermuntern, zu motiveren, zu schützen, zu lieben.
Butter bei die Fische … warum Unglücklich?
Aus der Summe der kindlichen Erfahrungen entsprang wohl die enorme Sehnsucht nach Nähe, Harmonie, aber vor allem nach Anerkennung.
Was umgibt mit jetzt jeden Tag dazu? Beruflich ist es als Chef so, dass man permanent unter Feuer steht. Man nimmt anerkennende Momente kaum wahr.
Egal ob Kunde, Interessent, Gesellschafter, Vertriebspartner, Mitarbeiter – im Grunde kann man niemanden zufriedenstellen. So einfach ist das.
In der heutigen Zeit nimmt die Erwartungshaltung aller Personen um einen herum enorm zu. Wenn man kein Produkt hat, was wirklich die Menschen glücklich macht und kein Umsatz mit Gewinn genug erwirtschaftet, um alle Bedürfnisse der Gesellschafter, Banken und Mitarbeiter zu befriedigen, dann erzeugt man auch keine Grundlage, hier eine positive Anerkennung zu erreichen. Ausgerechnet aber genau das ist es, was man ja eigentlich haben will. Was ich zumindest durch meine Selbstständigkeit erhoffte. Das ist nur logisch, sich so zu verwirklichen, wenn man nach Anerkennung und Aufmerksamkeit strebt.
Aber es ist nicht da.
Es ist ein einziger Strom an Gemeckere, Stress und Druck. Da hilft auch kein Umsatzwachstum oder ein seltenes Lob (also ich rede hier wirklich von selten). Der enorm erstarkende Egoismus vieler Menschen auf meinen beruflichen Ebenen macht alles noch viel schlimmer.
Und das Endet nicht im Beruf, sondern zieht sich privat weiter. Auch hier fehlt es an Harmonie, Aufmerksamkeit und Anerkennung. Alles dreht sich nur noch um die Kindern (nicht falsch verstehen, ich liebe meine Kinder!). Im Grunde ist es aber so, das es völlig egal ist, was man den Kindern bietet – es ist immer zu wenig! Hier ist die Kompromisslosigkeit der Kindern noch heftiger, als im beruflichen Kontext. Es ist egal was man macht, selten ist es gut. Purer Stress. Von der Arbeit nach Hause … starker mentaler Stress ohne Anerkennung.
Das Bekloppte daran ist: Man versucht nun, die Anerkennung in materiellen und finanziellen Maßstäben zu suchen. Das ergibt sich ganz automatisch! Es ist nur ein kurzzeitiges Löschen eines verheerenden Brandes. So bin ich ein kleiner Techniknerd geworden und liebe VR, aber hier ist es so – sobald ich mir hier was gönne, ist das Glücklichsein bereits nach kurzer Seite verflogen. Es mag danach noch cool sein, aber mehr auch nicht. Und natürlich erzeugt es Aufmerksamkeit, bei Freunden und anderen. Aber Anerkennung? Nein. Andere Menschen wollen doch auch nur Anerkennung und fangen an zu vergleichen und werden unglücklich. Also warum sollten diese Menschen mir sagen, „Hey cool“, wenn sie traurig drüber sind, das nicht zu haben? Oder sogar schlimmer: Neid.
Aufmerksamkeit ist der absolut falsche Motivator für Anerkennung. Insbesondere hier gibt es ausreichend geschichtliche Beispiele, wie negative Aufmerksamkeit auch negative Anerkennung findet.
Was ist denn Glücklich sein?
Unseren Kindern mangelt es an nichts, auch wenn diese etwas anderes behaupten.
Gerade bei den Kindern sieht man einen besonderen Effekt: Glücklich sein hat nichts mit dem materiellen Status zu tun. Gerade letztens hatten wir einen Tag, da haben sich die Kindern trotz so viel Möglichkeiten an Spielen und Spielzeug und Ideen durch die Mama so massiv gelangweilt, dass sie unglücklich und mürrisch waren. Gemeckere, Gemoppere … Wir haben dann 2-3 Förmchen eingepackt und sind dann auf einen einfachen kleinen Spielplatz gegangen. Die Kinder waren Happy! Und damit auch wir als Eltern. Stundenlang!
Fazit:
Kein finanzieller und materieller Reichtum erzeugt den Zustand der Zufriedenheit, der Anerkennung und des Glücks!
Das Erstaunliche daran ist, dass man es wirklich glaubt. Bis heute glaube ich, wenn ich finanzielle Freiheit erreicht habe, kann ich glücklich werden. Das klingt doch schon unlogisch, oder? Statt das Glück jetzt zu haben und zu genießen, erstrebt man etwas sehr Unwahrscheinliches an, was dann auch nie genug sein wird. Wie viel Zeit geht mir auf meiner Lebensreise verloren, statt meine Ruhe jetzt zu finden. Viel mehr Glücklichsein zu erreichen.
Aus dem Grund sind reiche Menschen auch selten glücklich, habe ich das Gefühl. Durch den Fokus auf Anerkennung durch Aufmerksamkeit eines finanziellen und materiellen Status setzt die Vergleichbarkeit wieder ein und man fühlt sich weiter weniger Wert als andere reiche Menschen. Man wird so nie einen zufriedenen glücklichen Status erreichen, sondern sich eher noch grämen, dass andere noch mehr erreicht haben.
Man kann auch kurz sagen: Neid frisst Glück zum Frühstück.
Und nun? Wie werde ich glücklich?
Keine Ahnung. Die Theorie weicht ganz schön von der Praxis ab.
Ich bin weiterhin beeindruckt von meinem Kumpel. Und ich stehe davor und weiß nicht, wie ich endlich wieder glücklich(er) werden kann.
Glücklich sein ist es folglich, sich von der Suche nach Anerkennung und Aufmerksamkeit zu trennen. Insbesondere, wenn es um Kapital geht. Soweit die Theorie
Durch einige Aufmerksamkeitsübungen, z.B. Morgens, und dann auch Tagsüber, kann ich unglückliche Gefühle bis Wut besser wegdrücken und damit weniger an mich heran lassen. Und ich lasse mehr Momente des Glücks an mich heran.
Aber das sind nur temporäre Pflaster.
Bei mir ist, im vollem Wissen das ich das vermutlich nicht erreiche, trotzdem die Suche nach Anerkennung jetzt so stark verankert, dass ich weiterhin fehlgeleitet danach strebe, des materiell zu erreichen, weil ich keinen Weg gefunden habe, es anders zu erreichen.
Auch die Bücher, die ich dazu gelesen habe, wie „Jetzt!“ von Eckard Tolle, prallen an mir ab wie Teflon. Aufmerksamkeitsübungen, Yoga, etc … alles bringt kaum was.
Das ist wie eine eigentlich simple Rechenformel, wo man weiß, dass das Ergebnis falsch ist, aber man einfach den simplen Fehler in der Rechnung nicht findet.